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Beschreibung
Der Begriff Borstahl ist ein Überbegriff,
der eine Familie niedriglegierter Vergütungsstähle definiert.
Die Untersuchungen dieser Stähle haben während des zweiten Weltkriegs
begonnen und erlebten einen bemerkenswerten Aufschwung während der
fünfziger Jahre anlässlich der Krise, die aufgrund der Kriegsereignisse
beim Erhalt von kostbaren Elementen entstanden war und das Auffinden von
alternativen Elementen zu den teueren Legierungen notwendig machte.
Der Borstahl hat sich nach vielen Jahren
der Erforschung erst durch die Einführung neuer und fortschrittlicher
Eisenhüttentechnik in den Siebziger- und Achtzigerjahren behaupten können.
Heute kommt diesem Stahl auf dem Vergütungsstahlmarkt eine besondere
Bedeutung zu.
Anwendungsbereich
Die Anwendungsbereiche der Borstähle
sind verschieden und hängen stark von den Eigenschaften des Bors ab. In
kleinen Mengen beigemischt (man nennt diese Stähle auch „niedriglegierte
Borstähle") erreicht man bei nur geringem Ansteigen der
Produktionskosten einen beträchtlichen Anstieg der Durchhärtbarkeit bei
niedriglegierten Kohlenstoffstählen.
Im Allgemeinen werden Borstähle in denselben Bereichen verwendet wie
Vergütungsstähle, z.B. für Federn (insbesondere mit Silizium), und in
geringerem Maße auch Einsatzstähle.
Neben dem Schraubenbereich sind sie auch in landwirtschaftlichen Maschinen
für Verschleißteile wie Ketten, Zahnräder oder andere mechanische Teile
ausführlich eingesetzt.
Durch seine Umweltverträglichkeit -weil in Wasser und nicht in Öl
gehärtet- hat dieser Stahl im Bereich der landwirtschaftlichen Hacken und
andere Werkzeuge aus Siliziumstahl abgelöst und auch in der Herstellung von
Gabeln für Gabelstapler hat der Borstahl durch seine große Flexibilität
und Zuverlässigkeit überzeugt.
Abschließend muß gesagt werden, daß die Bezeichnung "Alternativstahl"
dem Borstahl nicht mehr gerecht wird: diese Stahlsorte hat ihre deutlichen
Vorzüge, eine ausgereifte Produktionstechnik und dank ihrer
Zuverlässigkeit einen breitgefächerten Anwendungsbereich.
Einsatzbedingungen
Da der Einsatzbereich für die Borstähle sich mit jenem der
Vergütungsstähle deckt, gelten hier grundsätzlich dieselben Überlegungen,
d.h. auch in diesem Fall erzielt man die besten Ergebnisse im
wärmebehandelten, und zwar im vergüteten Zustand.
Der "Bor"-Effekt
In geringen Mengen (normalerweise zwischen 10 und 50 ppm) beigemischt hat
Bor die Eigenschaft, die Durchhärtbarkeit eines Stahls gegenüber einem
Stahl gleicher Zusammensetzung jedoch ohne Bor deutlich zu steigern. Diese
Wechselwirkung zwischen dem Bor und dem Ansteigen der Durchhärtbarkeit kann
nach der Grossmann Methode (vgl. Norm ASTM A255-89) gemessen werden. Setzt
man nach dieser Methode die Variablen für die ideale Stärke (IS) eines
Stahlstabs mit 50%-Martensitgefüge nach (idealer) Einhärtung in eine
Gleichung ein erhält man für den Bor-Faktor (BF):
| B.F. = |
IS mit Bor (gemessen am Borstahl) |
| ------------------------------------------------------------------------------------------------------- |
| IS ohne Bor (gemessen am Stahl ohne
Bor) |
Der
Bor-Faktor ist indirekt proportional zum Kohlenstoffgehalt im Stahl, das
heißt je unedler der Stahl, desto größer der Wirkungsgrad des Bors.
Setzen wir die Variablen für einen Stahl vom Typ 30MCB5 in die Gleichung
ein, erhalten wir einen BF-Wert von 1.7 min.
Der Wirkungsgrad des Bors beruht auf seine ungebundenen Teile (lösliches
Bor), die als Gase -hauptsächlich Stickstoff und Sauerstoff- im Stahl
enthalten sind.
Die Herstellungstechnologie sorgt dafür durch den Einsatz bestimmter
Inhibitoren für Stick- und Sauerstoff (N2 und O2), d.h. Titanium oder
Aluminium.
Auch diese Metalle sind, wenn auch nur in
geringstem Maße (0,030% des Gesamtgewichts), im Stahl enthalten.
Mechanische Verarbeitbarkeit
Im "gewalzten" Zustand unterscheiden sich Borstahl und normaler
Stahl kaum in ihrer Härte.
Stahl vom Typ 30MCB5 hat im Rohzustand
eine Härte von R=650-700 N/mm2, im vergüteten Zustand (wassergehärtet bei
860°C und angelassen bei 550°C) ist die Härte R=ca.900 N/mm2 (bei Ø von
40 mm). Bei niedrigeren Anlaßtemperaturen (ca. 220°C) erhält man Werte
von R=ca.1500-1700 N/mm2 (bei Ø von 40 mm).
Festigkeit
Vergütungsborstähle verfügen über
eine ausgezeichnete Sprödbruchfestigkeit und die Elastizität des (bei ca.
600°C angelassen) vergüteten Borstahls vom Typ 30MCB5 liegt auch bei einer
Temperatur von -20°C weit über 27J (KV). Bei niedrigeren
Anlaßtemperaturen ist dieser Elastizitätswert bei Temperaturen von +20°C
gewährleistet.
Schweißbarkeit
In der Schweißbarkeit entspricht der Borstahl in seinen Eigenschaften
dem Grundstahl.
Schmieden und Wärmebehandlung
Die Schmiedetemperatur muß zwischen 900°C und 1200°C liegen, jedoch
sollte diese Temperatur so kurz als möglich beibehalten werden, um zu
vermeiden, daß das Bor seine positiven Eigenschaften verliert. Zur Härtung
des Borstahls kann man sich normalerweise die Schmiedetemperatur zunutze
machen, wobei das Härtungsmittel (im Normalfall Wasser) eine konstante
Temperatur haben sollte.
Die Auswahl der Anlaßtemperatur hängt stark von den gewünschten
mechanischen Eigenschaften des Endproduktes ab: bei Temperaturen zwischen
180°C und 220°C erhält man die höchsten Widerstandswerte. Bei
Temperaturen zwischen 450°C und 550°C hingegen steigt die Bruchfestigkeit,
während sich die Widerstandskraft etwas verringert.
Weichglühen
Durch die guten
Kaltverarbeitungseigenschaften des Borstahls in seiner Rohform ist das
Glühen in den meisten Fällen nicht erforderlich. Für anspruchsvolle
Formgebung im Kaltzustand empfiehlt sich ein Glühen von ca. 6 bis 8 Stunden,
das dem Stahl eine Härte von ca. 150 HB verleiht.
Abschluß
Der Borstahl stellt die optimale Lösung für ein qualitativ
hochstehendes und gleichzeitig kostengünstiges Produkt dar.
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